Wenn das Laufen Kreativität erfordert

Ich kann mich noch genau daran erinnern. Ein Freund aus Münster – Profi-Läufer – war im Oktober für ein paar Tage in Berlin. Wir haben beide als Coaches bei einem Sport-Event gearbeitet. Während eines Community Runs fragte er mich plötzlich und unerwartet mit schüttelndem Kopf: „Ihr Berliner Läufer habt es echt nicht leicht. Wie macht ihr das bloß? Wie könnt ihr hier laufen? Wie, um Himmels Willen, könnt ihr hier Longruns laufen?“


Lange Läufe und Berlin. Das verträgt sich irgendwie nicht. Alle 10 Meter eine Ampel. Alle 10 Meter stehen bleiben, die Uhr stoppen, genervt drein blicken und weiter geht es. Die Uhr hält einen schon für verrückt. Und die Berliner, an denen man vorbei saust, schauen einen an, als wäre man von einer Wespe gestochen. Autoabgase, lautes Hupen, Fahrradfahrer wohin man sieht, volle Bürgersteige. Hinzu kommt der unglückliche Fall, dass ich gerade, ich sage mal „autolos“ bin und auch keine langen Läufe mehr einfach so im Grunewald oder in der Sächsischen Schweiz absolvieren kann. Auch meine geliebte Müggelsee-Runde fällt gerade flach.

Eine Lösung musste her. Wir wären ja keine Berliner, wenn wir nicht kreativ wären. Ein Blick nach draußen vom Balkon gab die Initialzündung. Dazu muss man wissen, dass der Blick vom Balkon direkt auf die U-Bahn-Linie 2 der Berliner Verkehrsbetriebe geht – eine wundervolle Hochtrasse mit den gelben U-Bahnen, die jeder kennt. Ich nenne ihn liebevoll den Insta-Balkon, weil man hier so schöne Bilder machen kann, sogar mit Blick auf den Fernsehturm. Aber genug abgeschweift. Die U2 hat im Kopf Klick gemacht. Wieso nicht einfach in die Öffis setzen, irgendwo hinfahren, wo es etwas ländlicher ist, und von dort ggf. heimlaufen?! Wo man mehr in der Natur und für sich ist?!

Gesagt, getan. Angefangen hat das Ganze mit einem Teilstück des Berliner Mauerweges. Raus mit der S Bahn Richtung Hohen Neuendorf. Von dort zurück per pedes in Richtung Frohnau, und dann auf dem Mauerweg wieder nach Prenzlauer Berg.
Es folgten nun an den folgenden Wochenenden „Ausflüge“ nach Tegel, Pankow, Spandau (mit dem tollen Startpunkt Olympia Stadion) und letztendlich auch der Grunewald. Wobei man bei Letzterem fairerweise sagen muss, dass es da auch mit der Bahn wieder heim ging, da ich den gesamten Lauf im Grunewald genießen wollte. Außerdem hatte ich eh meine Trailschuhe an, denen der Berliner Straßenbelag nicht unbedingt gut tun würde.


Doch von vorn. Wie plant man sowas? Eigentlich ganz einfach:

  1. Öffne eine Karte deiner Stadt
  2. Schau dir vor allem an, was außerhalb deiner Stadt oder am Stadtrand liegt
  3. Wähle einen Zielort aus, den du schön findest und der dich anspricht
  4. Checke nochmal die Entfernung zu dir nach Hause (hierfür gibt es unzählige Smartphone Apps) und plane grob die Strecke, damit du auch heim findest
  5. Suche eine Verbindung mit den Öffentlichen zu deinem ausgewählten Startpunkt

Und schon kann es los gehen. Wichtig ist es gerade im Winter nicht schon auf der Hinfahrt zu frieren. Ich habe immer noch zusätzlich eine dünne Jacke über meinen normalen Laufsachen an, eine Mütze auf und einen Lauf-Rucksack auf dem Rücken. Beim Start packe ich dann Jacke und Mütze in den Rucksack und ich bin perfekt vorbereitet für meinen Longrun. Was noch wichtig sein kann, je nachdem wie lange man unterwegs ist: Getränke, Energie-Riegel, Geld.

Ach, bevor ich es versäume: Bahnticket und Maske nicht vergessen!
Probiert es aus! Die Öffi-Methode bringt auf jeden Fall Abwechslung in den Lauf-Alltag und kann ganz tolle neue Strecken eröffnen, sei es in der Natur oder innerhalb der Stadt. Manchmal ist es nur diese kleine Idee, die den großen Unterschied macht!



Veröffentlicht von running.ricarda

Great Things Never Came From Comfort Zones

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